75. JAHRESTAG DER BEFREIUNG VOM NATIONALSOZIALISMUS

Im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurde am 27. Januar 2020 mit einer großen Gedenkveranstaltung der Befreiung des Lagers durch sowjetische Truppen vor genau 75 Jahren gedacht. Mehr als 200 Überlebende sowie Delegationen aus 50 Ländern waren zur Feier angereist.

Auch in vielen anderen KZ-Gedenkstätten sollten die 75. Jahrestage mit großen Gedenkveranstaltungen begangen werden. Alle noch lebenden ehemaligen Häftlinge waren dazu eingeladen worden, viele hatten zugesagt, gemeinsam mit Familienmitgliedern aus aller Welt anzureisen. Aufgrund ihres hohen Alters vermutlich zum letzten Mal wollten sie an diese Orte zurückkehren, um ihrer Befreiung, aber auch jener zu gedenken, die die Konzentrationslager nicht überlebt hatten.

 

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„Heute sind die Geschehnisse von früher kaum zu glauben. Wenn ich Filme über diese Zeit sehe, kann ich mir sogar selber kaum noch vorstellen, wie es gewesen ist. Ich weiß nur: Ich habe haufenweise Glück gehabt, dass ich überlebt habe.“
(Peter Josef „Joop“ Snep 2015)

Sachsenhausen

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Joop Snep war Sohn einer deutschen Mutter und eines niederländischen Vaters. Er und sein Vater waren überzeugte Nazigegner und verhalfen jüdischen Menschen, aus den von Deutschen besetzten Niederlanden in die Schweiz zu fliehen. Nach ihrer Festnahme durch die Gestapo wurden beide über das Lager Amersfoort ins KZ Sachsenhausen deportiert, wo sie im berüchtigten Schuhläuferkommando eingesetzt waren, in dem KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Schuhe deutscher Hersteller testen mussten. 2015 beschrieb er die Arbeit in einem

Interview mit ZEIT online:

„Wir liefen von morgens bis abends. Wer hinfiel und sich nicht mehr bewegte, bekam einen Genickschuss. Ich war ja zum Glück Leistungssportler und mein Vater war ein fanatischer Wanderer und deshalb auch sehr gesund. Aber es war sehr schwer. Man lief täglich mit der Angst, mit dem Gedanken, ob man das überleben würde. Wie in Trance. Mittags gab es etwas Brot und eine dünne Suppe. Bei meiner Verhaftung in Amsterdam wog ich 72 Kilogramm, nach einer Woche in Sachsenhausen noch etwa 49. Ich war immer froh, wenn ich den nächsten Tag erlebte.“

Joop und sein Vater gehörte zu den ca. 200.000 Menschen, die im Lagerkomplex des KZ Sachsenhausen inhaftiert waren. Die beiden sprachen miteinander nach dem Zweiten Weltkrieg nie über das, was sie dort erlebt hatten. Als alter Mann unterstütze Joop Snep die Gedenkstätte Sachsenhausen und berichtete vor allem jungen Menschen immer wieder von seiner Haftzeit. Er starb 2016 im Alter von 94 Jahren.

Wir gedenken der zehntausenden Menschen, die das KZ Sachsenhausen nicht überlebten.

Im Jahr 2010 gedenken Jugendliche aus Südafrika, Israel, Russland, Deutschland und anderen Ländern in der Gedenkstätte Bergen-Belsen der dort Ermordeten.
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Bergen – Belsen

Gefragt, welches Lager für sie das schlimmste war, nennen viele KZ-Überlebende, die sowohl im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau als auch im KZ Bergen-Belsen inhaftiert waren, das Lager Bergen-Belsen – wie sie es nennen, „die Hölle“.

Die Fotos und Filme von Angehörigen der britischen Armee, die diese am 15. April 1945 und in den Folgetagen von dem Elend machten, das sie bei der Befreiung des KZ Bergen-Belsen vorfanden, konfrontierte die Welt mit dem Unbegreiflichen. Und mit den Konsequenzen dessen, was die meisten Deutschen nicht gewusst zu haben behaupteten: Sie zeigten Tausende unbestattete Leichen und Zehntausende sterbende KZ-Häftlinge, die in den Tagen und Wochen vor der Befreiung ohne Wasser und Lebensmittel im Lager zusammengepfercht worden waren. Viele von ihnen hatten Jahre im Konzentrationslager überlebt und starben nun quasi im Angesicht ihrer Rettung.
Es bleiben Bilder und Erinnerungen, die vermutlich weder die Überlebenden noch ihre Befreier jemals werden überwinden können.

Wir gedenken der mehr als  52.000 Menschen, die im KZ Bergen-Belsen ums Leben gebracht wurden.

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„Da standen wir da am Zaun und heulten wie die Schlosshunde. Mein einziger Gedanke war: Gott sei Dank, Ihr seid gekommen, aber ihr kommt viel zu spät. Das war meine Reaktion auf die Befreiung, also kein Glücksgefühl. Absolut nicht.“

(Die tschechische Überlebende Margit Hermannová über den Moment ihrer Befreiung aus dem KZ Bergen-Belsen)

Ed Carter-Edwards (1923-2017) und weitere 167 Angehörige der Royal Canadian Air Force wurden im Juni 1944 in Frankreich verhaftet und in das KZ Buchenwald deportiert. Durch eine von Mithäftlingen aus dem Lager geschmuggelte Nachricht und darauf folgende Maßnahmen des örtlichen deutschen Generalstabs wurden die Männer im November 1944 von Buchenwald in ein Kriegsgefangenenlager überstellt und erhielten dadurch den Status von Kriegsgefangenen. Dies rettete ihr Leben. Sie wurden am 5. Mai 1945 durch britische Truppen befreit.

Buchenwald / Mittelbau-Dora

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“Nichts hat mich je so erschüttert wie dieser Anblick.”

Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte, über die Befreiung des KZ Buchenwald im April 1945

 Über 340.000 Häftlinge litten in den Konzentrationslagern Buchenwald bei Weimar (1937-1945) und Mittelbau-Dora bei Nordhausen (1943-45, zunächst Außenlager von Buchenwald) sowie in ihren insgesamt fast 180 Außenlagern.

Buchenwald war das größte KZ im Deutschen Reich. Vor allem Menschen, die laut nationalsozialistischer Definition nicht zur Volksgemeinschaft gehören durften, wurden hier u.a. zur Arbeit für die Rüstungsindustrie gezwungen. Mittelbau-Dora steht bis heute für die Untertageverlagerung der deutschen Rüstungsproduktion in den letzten Kriegsjahren und damit für die unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen von KZ-Häftlingen in unterirdischen Stollenanlagen.

Beide Lager wurden am 11. April 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit. Erschüttert von dem Elend, das sie in den Lagern vorgefunden hatten, zwangen die Befreier Zivilisten aus Nordhausen und Weimar einige Tage später, sich die Leichenberge in den ehemaligen Lagern anzusehen.

„Was unser Europa betrifft so sage ich immer allen meinen Freunden, allen Jugendlichen mit denen ich in Beziehung komme: Buchenwald war der Anfang von Europa. In Buchenwald haben wir – die Häftlinge – gelernt: es gibt keine andere Antwort auf das kommende Jahrhundert, als ein Europa zu bauen.“

(Stéphane Hessel (1917-2013), Deutschlandfunk Kultur, August 2011)

Wir gedenken der etwa 75.000 Toten der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora.

AUSCHWITZ

“Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.” (Theodor W. Adorno, 1966)

Das Vernichtungslager Auschwitz – Synonym für die Shoah, den Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Deutschland. Insgesamt ca. sechs Millionen Menschen fielen der Shoah zum Opfer, in Auschwitz allein waren es über eine Million. Und obwohl wir dies wissen, wird Auschwitz für diejenigen, die es nicht durchleben mussten, niemals fassbar sein.

Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz-Birkenau von sowjetischen Truppen befreit. Das Leben der Befreiten allerdings sollte nie wieder sein wie vorher. Die meisten Überlebenden hatten mehrere Familienmitglieder verloren, nicht wenige von ihnen ihre gesamte Familie. Sie mussten neu beginnen. Mit der Erinnerung, die nicht gehen, die nicht verblassen wollte. Ein Zuhause gab es für die meisten nicht mehr.

Bis heute stellen sich viele Überlebende immer wieder ihren Erinnerungen an Auschwitz. Sie sprechen von ihrer Haft, den Demütigungen, dem Tod ihrer Lieben.

Hédi Fried schreibt dazu im Vorwort zu ihrem Buch „Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden“:

Das, was damals geschehen ist, kann leider wieder geschehen, wenn auch vielleicht nicht auf dieselbe Weise. Um zu verhindern, dass der Holocaust sich wiederholt, ist es wichtig, sich zu erinnern; das Vergangene prägt die Gegenwart und wirft seinen Schatten auf die Zukunft.“

Die Erinnerung an Auschwitz verfolgt Überlebende bis zu ihrem Tod. Den Zivilisationsbruch, die Erinnerung an Tod, Angst, Hunger, Folter und Unmenschlichkeit können sie nicht verwinden. In seinem Buch „Die Untergegangenen und die Geretteten“ schreibt Primo Levi dazu:

„Wer gefoltert wurde, bleibt gefoltert. Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt. Die Schmach der Vernichtung lässt sich nicht austilgen. Das zum Teil schon mit dem ersten Schlag, in vollem Umfang aber schließlich mit der Tortur eingestürzte Weltvertrauen wird nicht wiedergewonnen.“

 

Wir gedenken der ca. 1,3 Millionen Menschen, die in Auschwitz ermordet wurden.

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VON DEUTSCHLAND BESETZTES OSTEUROPA

OSTEUROPA

Wer an die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden denkt, denkt an Auschwitz, das zum Synonym für diesen Genozid wurde. Doch es gab viele Orte, die meisten von ihnen im von Deutschland besetzen Osteuropa, an denen bereits lange vor der Wannseekonferenz und auch nach der Errichtung von Auschwitz Hunderttausende Menschen von Deutschen ermordet wurden. An vielen dieser Orte existierten keine Lager, die Ankommenden wurden häufig noch am selben Tag ermordet. Viele dieser Orte sind heute kaum oder gar nicht bekannt, denn es gab kaum Überlebende, die berichten konnten.

Bilder aus dem Projekt (Ausstellung und dem gleichnamigen Buch)

» Im Schatten von Auschwitz «

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MARK MÜHLHAUS UND ULRIKE JENSEN MIT EINEM PROJEKT ZUM

75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus

 

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